
Orang-Utans, die zumeist im Norden Sumatras oder auf Borneo heimisch sind, könnten das Geheimnis der Ursprünge der menschlichen Sprache bergen. Das behauptet ein Forscher der Universität Warwick.
Orang-Utans nutzen vielfältige Konsonanten
Die gesprochene Sprache der Menschen besteht im Allgemeinen aus zusammenhängenden stimmhaften Vokalen und stimmlosen Konsonanten. Vokale werden dabei durch den Kehlkopf erzeugt, während Konsonanten durch Bewegungen im Mund gebildet werden. Dr. Adriano Lameira untersucht seit 18 Jahren Menschenaffen in ihrer natürlichen Umwelt, um neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Sprache zu entdecken.
Bisherige Theorien stützen sich zumeist auf die Kehlkopfanatomie von Primaten und erforschen die Verbindung zu den Vokalen, wie sie heute gesprochen werden. Dr. Lameira hingegen interessiert, wie konsonantenähnliche Laute zu einem grundlegenden Bestandteil jeder weltweit gesprochenen Sprache wurden. Lameiras Veröffentlichung im peer-reviewed Journal „Trends in Cognitive Sciences“ vergleicht dabei Muster im konsonantenähnlichen Stimmrepertoire von verschiedenen Menschenaffen: Orang-Utans, Gorillas, Bonobos und Schimpansen. Während ihre Verwandten kaum konsonantenähnliche Laute verwenden, stellte Dr. Lameira fest, dass verschiedene Orang-Utan Populationen regelmäßig Konsonanten in ihren Lauten gebrauchten. Ihr Repertoire bestehe aus „reichhaltigen Schmatz, und Schnalzlauten und Kussgeräuschen“.
Geht die menschliche Sprache auf ein Leben in den Bäumen zurück?
Als möglichen Grund für die komplexe Geräuschentwicklung der Orang-Utans nennt der Wissenschaftler den Lebensstil auf Bäumen und die besonderen Essgewohnheiten der Primaten. Im Gegensatz zu ihren afrikanischen Artgenossen, die ihre Nahrung eher auf dem Boden suchen, sind es Orang-Utans gewohnt in Bäumen zu leben und ihre Hände und Füße zum Festhalten zu gebrauchen. Daher sind ihre Mundbewegungen weiter entwickelt als die anderer Menschenaffen. Mit der neuromotorischen Kontrolle über ihre Lippen, Zungen und Kiefer können sie ihren Mund zur Nahrungssuche und dem Halten von Gegenständen gebrauchen. So seien Orang-Utans in der Lage, nur mit ihrem Mund eine Orange zu schälen. Dadurch sind sie auch dazu imstande stimmlose konsonantenähnliche Laute zu erzeugen.
Die neuen Erkenntnisse könnten Hinweise darauf geben, wie sich die menschliche Sprache entwickelt haben könnte. „Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Leben in Bäumen eine Vorstufe für die Entstehung von Konsonanten und damit für die Sprachentwicklung unserer menschlichen Vorfahren gewesen sein könnte“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Warwick.